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Was heißt schon, Deutsche/r zu sein?

Was für eine Nationalität wir haben, lässt sich gesetzlich durch unsere Staatsangehörigkeit nachweisen. Habe ich den deutschen Pass, bin ich also Deutsche.


Ist das immer der Fall?


Manchmal haben wir mehr als nur einen Pass.

  • Entweder durch unsere Eltern bedingt, z. B. als Kinder von Menschen unterschiedlicher Nationalitäten.

  • Oder aufgrund unserer eigenen Entscheidung, z. B. man lebt jahrelang in einem Land und entscheidet sich für diese Staatsangehörigkeit.

Das ist nämlich der Fall bei mir und meiner Familie. Ich bin gebürtige Bulgarin.

Manche Leute würden vielleicht das Wort "echte" Bulgarin benutzen. Denn ich bin in Bulgarien geboren und groß geworden. Meine Eltern sind Bulgaren. Meine Großeltern sind Bulgaren und egal, wie weit ich auf die Familiengeschichte zurückblicke, waren alle "nur" Bulgaren.


Mit 18 bin ich nach Deutschland gezogen. Erstmal nur zwecks Studiums. Nach ca. 10 Jahren fühlte ich mich diesem Land so verbunden, dass ich mich dafür entschied, die deutsche Staatsangehörigkeit anzunehmen. Also wurde ich auch Deutsche. Wahldeutsche könnte man sagen, denn es war meine eigene Wahl.


Was sind meine Kinder?


Geheiratet habe ich einen US-Amerikaner. Unsere Kinder sind also Halb-Bulgaren und Halb-US-Amerikaner, wenn man unsere Familiengeschichte betrachtet.


Nur jetzt wird es ein bisschen komplizierter, denn aus bürokratischen Gründen haben sie den bulgarischen Pass gar nicht. Auf Papier sind sie also Deutsche und US-Amerikaner.


Nun stellt sich die Frage: Womit identifizieren sie sich?

Unsere Identität hat viel mehr mit unseren Gewohnheiten und unserer Lebensweise zu tun.

  • Was ist unser kultureller Umkreis?

  • Welche Traditionen halten wir für unsere?

  • In welchem Land und vor allem von welchen Leuten umgeben wachsen wir auf?

Meine Kinder wurden weder in Bulgarien, noch in den USA, noch in Deutschland geboren, sondern in Italien und in Ungarn. Macht sie das Italiener oder Ungarn? Mein älterer Sohn hat nur die ersten 3 Monate nach seiner Geburt in Italien verbracht und den größten Teil seines Lebens in einer multikulturellen Umgebung in Ungarn. Macht ihn das Ungar?

Der kleinere wurde zwar in Ungarn geboren, zog aber mit 5 Monaten nach Deutschland. Wird er also mehr Deutscher sein als sein älterer Bruder nur, weil er einen größeren Abschnitt seines Lebens in diesem Land verbringen wird? Der Aufenthalt an sich muss aber nichts heißen. Manche behaupten, dass meine Kinder weiterhin Halb-Bulgaren und Halb-Amerikaner sind, da wir zu Hause Bulgarisch und Englisch sprechen und sie mit diesen 2 Kulturen vertraut machen. Vergessen wir aber nicht die Umgebung - Kindergarten, Nachbarn, Freunde, Feste...


Lass sie doch selbst entscheiden, welcher Kultur sie sich zugehörig fühlen!


Diese Entscheidung steht aber nicht nur meinen Kindern frei, weil sie als Weltbürger großgezogen werden.


Es ist die Entscheidung, vor der wir alle stehen: Wer bin ich? Und wer möchte ich sein?


Sie muss nicht unbedingt an einer Nationalität, einer Kultur oder einer Sprache gebunden sein. Und so wie mit vielen anderen Entscheidungen im Leben, können wir uns auch diesbezüglich im Laufe der Zeit umentscheiden. Aber was ist dann mit der Frage:


Woher kommst du?


Ist sie nicht schon längst obsolet? "Ach, das ist doch nur eine Frage", würdest du jetzt sagen, "um ins Gespräch zu kommen. Damit will man doch nur wissen, wo die Person ursprünglich herkommt."


Und was machst du dann mit dieser Information?

Nur weil ich ursprünglich aus Bulgarien komme, macht mich das eine echte Bulgarin? Auch dann, wenn ich die Hälfte meines Lebens im Ausland verbracht habe?

Warum wollen wir das wissen?


Damit wir die Person besser zuordnen können?

Um unsere Vorerfahrung oder ggf. Klischees zu bestätigen?

Um sie in irgendeine Schublade zu stecken?


Es ist eine der ersten Fragen, die wir im Deutschunterricht lernen. Vielleicht weil sie eine der ersten Fragen ist, die wir auch gestellt bekommen.


Eine Frage, die nicht viel aussagt, außer über die Person, die sie stellt.


 

Lernen passiert am besten im Dialog!


Lass uns weiter darüber diskutieren.


Wie fühlst du dich, wenn du folgende Fragen hörst:

  • Woher kommst du?

  • Wie lange bleibst du noch?

  • Du sprichst aber gut Deutsch!

Der Künstler Mattew Vasquez erlebt ähnliche Fragen als Mikroaggressionen:


"Mikroaggressionen können, so wie ich das Wort verwende, besser als wahrgenommene rassistische Kränkungen bezeichnet werden. Es sind Worte und Verhaltensweisen, die sich bewusst oder unbewusst nach überholten Annahmen richten. Nach vielen Wiederholungen können sie mit der Zeit ein emotionales Leid auslösen." - gesehen in der Sonderausstellung "Ich sehe, was du nicht siehst" in Frankfurter Historischem Museum.


Instagram: @skezami @germanskills_com

Weitere Infos über die Ausstellung: https://historisches-museum-frankfurt.de/de/node/57916

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1 Kommentar


Julitta
Julitta
14. Okt. 2020

Sehr gute Gedanken, die uns auch inspirieren!

Wir leben in einer globalisierten Welt, wir können reisen, neue Sprachen lernen, wegen eines Arbeitplatzes oder einer Ehe lang in einem neuen Land leben.

Also bin ich der Auffassung, dass man offen sein muss ohne seine Herkunft zu vergessen.

So liebt man gleichzeitig die Sprache eines Landes, seine Tradition, Geschichte und Landschaft und kann man sich als ein Deutscher fühlen.

Einmal hatte ich ein Zitat gelesen: " Heimat ist wo das Herz weh tut ".

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